Prof. Dr. Matthias W. Haenel, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim an der Ruhr

Biografie

Prof. Dr. Matthias W. Haenel hat sich drei Jahrzehnte mit der Erforschung der Kohlenchemie befasst und gilt auf diesem Gebiet als weltweit anerkannter Experte. Geboren 1944 in Freiburg im Breisgau, studierte Matthias Haenel von 1963 bis 1968 Chemie an den Universitäten Gießen und Heidelberg. Nach der Promotion 1971 in Heidelberg und einem Postdoc-Jahr an der University of California in Berkeley, USA, habilitierte er sich 1978 in Heidelberg und wurde im gleichen Jahr Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. Seit 1987 ist Matthias Haenel auch apl. Professor für organische Chemie an der Universität Düsseldorf.

Prof. Haenels Arbeitsgruppe ist spezialisiert auf die Gebiete der synthetischen organischen Chemie, der metallorganischen Katalysatoren sowie der Aromaten- und Kohlechemie. Entwickelt werden thermisch stabile, homogene Katalysatoren und die Hydrierung bzw. Hydrogenolyse von Steinkohlen mit homogenen Katalysatoren. Prof. Haenel hat über 100 Fachartikel verfasst. Er ist Mitglied der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh), der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V. (DGMK) und der American Chemical Society (Fuel-Division). Von 1987 bis 1997 gehörte er der Leitung des DGMK-Fachbereichs Kohlenveredlung an und von 1994 bis 2003 dem Vorstand der DGMK-Bezirksgruppe Ruhr.

Das MPI in Mülheim an der Ruhr ging nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem 1912 gegründeten Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohlenforschung hervor. Der erste Institutsdirektor war der legendäre Chemiker Franz Fischer (1877–1947). Er und sein Team erforschten sowohl die Kohlechemie wie die Veredlung von Kohle in feste, flüssige und gasförmige Produkte. Aus diesen Forschungen entstand in den Zwanzigerjahren die berühmte Fischer-Tropsch-Synthese, die zusammen mit der Kohlevergasung ein zweistufiges Verfahren zur Verflüssigung von Kohle darstellt. Dieses klassische Verfahren der sogenannten indirekten Kohleverflüssigung wurde in Deutschland, Japan, Frankreich und in der Mandschurei bis 1945 zur Herstellung von Treibstoffen angewendet und ab 1955 in Südafrika. Heute erlebt die Fischer-Tropsch-Synthese eine ungeahnte Renaissance – bei der Treibstoffherstellung vor allem aus Erdgas, aber auch aus Biomasse und Kohle.

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Übersichtsartikel (Auswahl)

M. W. Haenel: Catalysis in Direct Coal Liquefaction. In Handbook of Heterogeneous Catalysis.

2. Aufl., Vol. 6 (Hrsg.: G. Ertl, H. Knözinger, F. Schüth, J. Weitkamp). Wiley-VCH 2008, S. 3023–3036.

M. W. Haenel: 80 Jahre Fischer-Tropsch-Synthese – Renaissance eines Klassikers der Kohleverflüssigung.

Erdöl Erdgas Kohle 2006, 122, S. 78–80.

M. W. Haenel: Recent Progress in Coal Structure Research.

Fuel 1992, 71, S. 1211–1223.

M. W. Haenel, G. Collin, M. Zander: Kohlechemie – Stand, Forschungsrichtungen und Perspektiven.

Erdöl Erdgas Kohle 1989, 105, S. 71–74 und 131–138.

Fachartikel (Auswahl)

M. W. Haenel, J. Narangerel, U.B. Richter, A. Rufińska: Verflüssigung von hoch-inkohlten Steinkohlen nach Hydrierung in Gegenwart von Boran oder Iod-Homogenkatalysatoren.

Angew. Chem. 2006, 118, S. 1077–1082.

M. W. Haenel, S. Oevers, K. Angermund, W. C. Kaska, H.-J. Fan, M.-B. Hall: Thermally Stable Homogeneous Catalysts for Alkane Dehydrogenation.

Angew. Chem. 2001, 113, S. 3708–3712.

M. W. Haenel, U.-B. Richter, H. Hiller: Reduktive Alkylierung von Steinkohle: Kohle-Propansulfonsäuren mit bemerkenswerten Löslichkeiten.

Angew. Chem. 1985, 97, S. 340–341.

M. W. Haenel, R. Mynott, K. Niemann, U.-B. Richter, L. Schanne: 13C-NMR-spektroskopische Untersuchung einer 13Cmethylierten Steinkohle.

Angew. Chem. 1980, 92, S. 653–654.